Schulsozialarbeit

Bei Problemen (Sucht, Gewalt, Krankheit, usw.) kann man über www.kidkit.de eine Online-Beratung erreichen.

In der Klassenleiterstunde mancher 5. und 6. Klassen wurde in diesem Schuljahr der Klassenrat eingeführt. Gemeinsam  mit der jeweiligen Klassenleitung und mir können die Kinder hier ihre Anliegen  besprechen.

Der Klassenrat wird jede Woche von einer wechselnden Gruppe von fünf Schülerinnen und Schülern vorbereitet. Was besprochen wird bestimmen die Kinder weitgehend selbst; jeder kann sein Anliegen auf einen Zettel schreiben und in die Klassenratbox werfen. Die Themen werden dann in der Vorbereitung der Stunde gesammelt. Selbstverständlich können in diesem Rahmen auch die Lehrer wichtige Schulthemen besprechen.

Jedes Kind der Vorbereitungsgruppe erhält eine Aufgabe im Klassenrat, die möglichst wechselt, so dass jedes Kind jede Aufgabe mindestens einmal übernommen hat. Für den Klassenrat benötigen wir eine Leitung. Dieses Kind übernimmt die Aufgabe des Lehrers, nimmt andere Kinder dran, führt Abstimmungen durch und moderiert die Stunde. Ein Kind schreibt ein kleines Protokoll mit, in dem wichtige Vereinbarungen festgehalten werden, die von einem anderen Kind in der nächsten Woche noch einmal vorgelesen und überprüft werden.  Wieder ein anderes Kind erhält die Aufgabe des Beobachters und ermahnt störende Kinder. Das fünfte Kind in der Gruppe achtet auf die Zeit.

Die Schülerinnen und Schüler lernen in diesem Rahmen einen strukturierten Ablauf für die Besprechung von Themen und Problemen kennen. Sie lernen aber auch, dass sie selbst wirksam sein/ werden können. Ihre Anliegen werden ernst genommen, der Lehrer hält sich zurück, unterstützt nur bei Bedarf, Lösungsvorschläge sollen von den Kindern selbst kommen.

Durch die Übernahme der Ämter werden die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und lernen, andere Perspektiven einzunehmen.

Für die Kinder selbst steht nicht die Entwicklung sozialer Kompetenzen im Vordergrund, sondern ihre Mitbestimmungsmöglichkeit, das heißt die Möglichkeit Themen zu besprechen, die für die Kinder eine große Relevanz haben, im Schulalltag aber oft keinen Platz finden.

Interview mit Frau Hübinger


 

Als im Mai 2010 Frau Mareile Hübinger vom Schulleiter dem Kollegium der Anne-Frank-Realschule plus vorgestellt wurde, glaubten viele zunächst, es handele sich um eine neue, junge Kollegin. Doch es stellte sich bald heraus, dass ihr Aufgabenbereich ein ganz anderer war. Heute ist Frau Hübinger längst ein wichtiges Mitglied der Schulgemeinschaft geworden, eine Ansprechpartnerin, die niemand mehr missen möchte. Wir baten sie, in einem Interview mehr über ihre Aufgaben und Tätigkeiten an unserer Schule zu berichten.

 

Frau Hübinger, fühlen Sie sich eigentlich an unserer Schule wohl?

Zu Beginn meiner Arbeit prasselte viel Neues auf mich ein; denn es ist ja eine Schule mit einem großen Lehrerkollegium und mit einer großen Schülerschaft. Ein paar Lehrer kannte ich bereits aus meiner eigenen Schulzeit oder auch durch meine berufliche Tätigkeit. Insgesamt bin ich sehr herzlich aufgenommen worden, sodass ich mich schon bald der Schule zugehörig fühlte. Mittlerweile kenne ich alle Lehrer und sehr viele Schüler. Ja: ich fühle mich hier wohl und komme gerne hierhin.

 

Welche Aufgaben erwarten Sie hier?

In der Hauptsache verstehe ich mich als Ansprechpartnerin für Kinder und Eltern. Wenn Probleme im Freundeskreis, in der Klasse oder zu Hause auftreten, kann ich Unterstützung anbieten. Das heißt nicht, dass Schüler nur dann zu mir kommen können, wenn sie gravierende Probleme haben, sondern auch dann, wenn sie einfach nur mal aus dem Schulalltag oder von ihrer Freizeit erzählen möchten. Da ich keine Lehrkraft bin und die Noten der Schüler in der Regel nicht kenne, können die Kinder ohne Angst vor Bewertung mit mir sprechen. Das ist ein Vorteil, den ich manchmal habe.

Gespräche mit Eltern müssen übrigens nicht hier, sondern können auch mal bei der Familie zu Hause stattfinden.

Daneben helfe ich bei der Organisation von Klassengemeinschaftstagen oder wirke bei anderen Projekten hier in der Schule mit.

Als Schulsozialarbeiterin stehe ich zwischen Schule, Familie und Jugendhilfe und kann in alle Richtungen vermittelnd tätig werden. Das ist immer eine spannende Aufgabe.

 

Welche Voraussetzungen mussten Sie erfüllen, um solche Dinge leisten zu können? Wie sieht also Ihr beruflicher Werdegang aus?

Nach dem Abitur habe ich in Mainz Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik studiert, das heißt, ich bin Diplom-Pädagogin. Nach dem Studium bin ich wieder zurück nach Montabaur gekommen und habe zunächst ein gutes Jahr bei einem Bildungsträger gearbeitet. Dort habe ich Seminare sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche durchgeführt. Seit August 2008 bin ich in Montabaur bei der Kreisverwaltung, Abteilung Jugendamt beschäftigt. Dort habe ich für zwei Jahre als Sozialpädagogische Familienhilfe gearbeitet. Das heißt, ich habe Familien, Kinder und Jugendliche betreut, die aus verschiedenen Gründen Unterstützung von außen benötigten. Anfang des letzten Jahres wurde ich dann gefragt, ob ich Interesse daran hätte, an der Anne-Frank-Realschule plus als Schulsozialarbeiterin zu arbeiten. Dieses Angebot habe ich mit Freude und mit Neugier auf den neuen Arbeitsbereich angenommen.

 

Arbeiten Sie auch mit den Lehrern unserer Schule zusammen?

Die Zusammenarbeit mit den Lehrern, vor allem mit den Klassenlehrern, ist sogar unerlässlich. Denn die geben oft den Hinweis darauf, dass sie sich um einen Schüler sorgen, und bitten mich um Unterstützung. Zudem bin ich auf die Bereitschaft der Lehrer angewiesen, wenn mal ein Schüler vom Unterricht befreit werden muss.

Hat ein Kind massiv Probleme im schulischen oder häuslichen Bereich, ist auch die Zusammenarbeit mit den Eltern unerlässlich, um dem Schüler auf seinem weiteren Weg behilflich zu sein.

Im Falle einer Kindeswohlgefährdung arbeite ich auch mit den Kollegen vom Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes zusammen.

 

Gab es einen Punkt in Ihrem Leben, der für Sie entscheidend war, so einen Beruf zu ergreifen?

Ich hatte schon als Jugendliche Freude am Umgang mit Kindern und habe auch vor allem in den Sommerferien Kinder- und Jugendgruppen geleitet. Hinzu kommt, dass der pädagogische Bereich so vielfältige Möglichkeiten bietet, dass ich mich nicht schon zu Beginn meines Berufslebens für ein Aufgabengebiet entscheiden musste. Für mich stand schon immer fest, dass ich nicht nur am Schreibtisch arbeiten wollte. Zwar ist in meinem Beruf Verwaltungsarbeit nötig, aber insgesamt überwiegt die praktische Arbeit.

 

Was muss man mitbringen, damit man den Anforderungen Ihres Berufes gewachsen ist?

Am wichtigsten finde ich, dass man Freude an der Arbeit und an den Kindern mitbringt. Denn Kinder merken sehr schnell, wenn Erwachsene nicht bei der Sache sind und ihnen kein echtes Interesse entgegenbringen. Eine wichtige Eigenschaft, die jeder, der im pädagogischen Bereich arbeitet, mitbringen sollte, ist Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen.

 

Sie haben ja schon viele Gespräche an unserer Schule geführt: Wie begegnen Ihnen die Eltern, wenn Sie mit ihnen über die Probleme ihrer Kinder sprechen?

Unterschiedlich. Manche Eltern sind dankbar, dass sie von den Problemen des Kindes erfahren; denn das hilft ihnen vielleicht, das Verhalten ihres Kindes besser einzuschätzen. Andere reagieren zunächst ablehnend. Es ist dann wichtig, einen gemeinsamen Weg zu finden, der den Schülern weiterhilft, aber auch für die Eltern gangbar ist. Pauschallösungen gibt es nicht; entscheidend ist, dass das Wohl des Kindes im Vordergrund steht.

Was war Ihr schönstes Erfolgserlebnis während ihrer Tätigkeit bei uns?

Ich freue mich, wenn ich sehe, dass ein Schüler, der lange Zeit in der Klasse gehänselt und ausgeschlossen wurde, nach meiner Intervention wieder gerne zur Schule geht, wenn er wieder Freunde gefunden hat und in die Klassengemeinschaft integriert ist. Aber auch das funktioniert nicht ohne die Unterstützung zumindest des Klassenlehrers.

 

Und wie sieht Ihr weiterer beruflicher Werdegang aus?

Wie es in einigen Jahren aussehen wird, weiß ich noch nicht. Zunächst wünsche ich mir aber, dass ich noch einige Zeit an der Schule bleiben kann.

 

Frau Hübinger, wir bedanken uns für das Gespräch und hoffen, dass Sie uns und unserer Schule noch lange erhalten bleiben.

 

Interview: G. Gingele

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